Baumeister: Super Mario Maker 2

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Als 1985 die Videospielindustrie in der Krise steckte, glaubte keiner daran, dass die so genannten „Telespiele“ jemals wieder einen echten Markt haben würden. Sicher war aus heutiger Sicht nur eins, die Industrie hatte sich selbst kaputt gemacht, denn statt guter und innovativer Produkte, gab es immer nur die gleichen bzw. ähnlich günstig produzierten TV Boxen und Spiele. Da schien es schon fast lächerlich, als der japanische Spielwarenhersteller Nintendo eine eigene Konsole am Markt platzierte. Doch den Riecher, welchen die Japaner hatten, sollte richtig sein, denn wie wir heute wissen, war der Famicom bzw. das Nintendo Entertainment System ein voller Erfolg. Das lag vor allem daran, dass es eben kein Telespiel mehr war, sondern eher einem günstigen Heimcomputer zum Spielen ähnelte. Die Konsole holte für viele das Gefühl der Videospielhalle nach Hause.

Zum großen Erfolg des NES und auch Nintendo trug vor allem der hüpfender Klempner Mario bei und dieser war ja bisher nicht nur in seinen eigenen Spielen zu bewundern, sondern auch in vielen weiteren Spielen zu Gast. Die bekanntesten Vertreter sind hier wohl die Mario Kart und Mario Party- Teile, auch Tennis spielt der leicht untersetzte Klempner schon eine ganze Weile. Allerdings ist und bleibt vor allem das Genre des Plattformers für Mario wichtig und hier wünschten sich viele Fans schon immer eigene Level kreieren zu dürfen. Diesem Wunsch kam Nintendo im Jahr 2015 auf Wii U und 2016 auch auf dem 3DS, in Form des Mario Makers, nach. Endlich durften Fans auf der ganzen Welt eigene Level kreieren und es waren nicht nur klassische Level Konstrukte, sondern auch verhasst bockschwere Kreationen.

Doch der Mario Maker war der erste Gehversuch und nur auf der Wii U wirklich komplett, nur leider war die letzte Heimkonsole von Nintendo nicht wirklich erfolgreich, da liegt es natürlich nahe, eine Portierung oder eben gleich einen ganz neuen Teil zu veröffentlichen. Nun, genau das ist geschehen und der „Super Mario Maker 2“ ist seit Ede June 2019 für die Nintendo Switch zu haben. Unser Testmuster ereilte uns leider etwas später, so dass wir jetzt erst einen Test veröffentlichen können. Dafür konnten wir schon alle enthaltenen Features testen.

 

Der Baukasten ist voller
Kernstück von Super Mario Maker 2 ist, wie schon im Vorgänger, das Bauen von eigenen Leveln. Dabei konntet und könnt ihr immer noch aus den Welten von Super Mario Bros., Super Mario Bros. 3, Super Mario World und auch Super Mario Bros. U wählen. Doch es kommt noch eine Auswahlmöglichkeit dazu, denn jetzt ist es möglich 2D Level in der Welt von Super Mario 3D Wörld zu erschaffen. Allerdings nur als Sidescroller, die 3D Level werdet ihr nicht sehen. Trotz vieler neuer Möglichkeiten gibt es aber doch einige Einschränkungen, dazu aber später mehr.

Im Prinzip bekommt ihr hier den Baukasten wie ihn die meisten aus dem ersten Teil schon kennen, doch diesmal gibt es noch ein paar Möglichkeiten und Items mehr.  Das erste was auffällt, man kann innerhalb der Grafikstile nun aus vier weiteren Themen wählen, denn neu sind nun Wald, Wolken, Wüste und Schnee. Zu dem haben die Themen auch interessante Nebeneffekte, denn im Wald so wie auch im „Castle“ könnt ihr den Wasserstand festlegen bzw. innerhalb des Levels auch dynamisch verändern. Das sorgt natürlich für einige neue Möglichkeiten, gerade in Verbindung mit selbstscrollenden Welten.

Aber auch beim Levelbau hat sich etwas getan, denn dank zwei verschiedenen Schrägen, könnt ihr nun hübschere Hänge bzw. Rampen bauen, im Vorgänger waren nur Stufen möglich. Diese Neuerung bietet nun die Möglichkeit zu rutschen oder rutschende Items zu platzieren. Dazu gesellen sich einfach noch mehr Items die es in der Fülle hier einfach nicht aufzählen kann. Allerdings sollte hier der neue „On- Off-Schalter“ nicht unerwähnt bleiben. Denn dank dieser Schalter sind nun neue Schließ- und Bodenmechanismen möglich. Auch das jetzt ein Nachtmodus dabei ist, hat Auswirkungen auf verschiedene Ereignisse in den einzelnen Themen. So bewirkt die Nacht, dass im Untergrund von Super Mario Bros. 3 alles auf dem Kopf steht, ihr geht tatsächlich an der Decke. Das ihr in den Geisterschlössern mit dem Nachtmodus die Sicht stark einschränken könnt, will ich hier natürlich nicht unerwähnt lassen.

Neben diesen Veränderungen, könnt ihn nun auch aus einem gewissen Pool von Zielaufgaben wählen, zum Beispiel müssen eure Spieler eine vorher festgelegt Anzahl Münzen ins Ziel tragen oder dürfen eventuell nicht einmal den Boden verlassen. Mit diesen Vorgaben könnt ihr eure Kreationen somit noch interessanter und auch schwieriger machen.

Natürlich dürft ihr bei der Platzierung von Blöcken, Türen, Hindernissen und Gegnern eurer Fantasie wieder freien Lauf lassen. Der Baukasten wurde merklich aufgestockt und wieder sind die absurdesten Kombinationen möglich.

 

Einschränkungen im „alles ist möglich Baukasten“
Natürlich könnt ihr so ziemlich alles miteinander kombinieren und neue Grenzen ausloten, sicherlich funktionieren auch einige Kombinationen immer noch nicht, um diese soll es hier allerdings auch nicht gehen. Vielmehr geht es um die fünfte Themenauswahl, denn neben den vier möglichen Spielthemen aus der Mariowelt, könnt ihr nun ja auch die „3D Wörld“ Elemente nutzen zu den ja nicht nur der Katzen- Mario gehört, sondern auch die transparenten Röhren, welche zum Überqueren von Schluchten genutzt werden können oder gar als zentrales Levelelement funktionieren können, schließlich können auch eure Widersacher durch diese Röhren schlüpfen. Aber auch andere Physikalische Effekte sind nun in der Welt enthalten, diese „Gesetze“ weichen teilweise stark von den anderen Themen ab und das hat eine gravierende Folge. Wenn ihr euere eigene Welt erschafft und dann entweder von der 3D Wörld oder in die 3D Wörld wechseln möchtet, werden alle platzierten Gegenstände und der gesamte Aufbau gelöscht. Somit ist alles was um den Katzen Mario herum passiert völlig autark und kann nicht in andere Themen übernommen werden. Hier gibt es also tatsächlich einen Dämpfer, denn der Baukasten, welcher ja fast alles ermöglichen soll, kann nicht alles ermöglichen. Schließlich werden beim Wechsel der anderen Themen die Funktionen, welche eventuell nicht in dem Spiel enthalten waren und daher nicht gehen, durch andere oder ähnliche Eigenschaften ersetzt. Wieso man diese Funktion hier nicht gibt, ist für den Spieler sicherlich völlig unklar und weiß wohl nur Nintendo.

Nicht nur bauen, sondern auch spielen
Wenn ihr Level baut, wollt ihr dieses natürlich auch teilen bzw. hochladen und anderen Spielern zu Verfügung stellen. Doch damit das geht, müsst ihr selbst erstmal eurer Schaffenswerk durchspielen, so soll verhindert werden, dass Level in die Community kommen die nicht schaffbar sind. Das es trotzdem ziemlich viel Blödsinn in den Kreationen gibt, will ich hier nicht verheimlichen. Denn oft landen Level im Netz, die an vielen Stellen nicht weitergehen, das ist für sich gehen, nicht schlimm. Schließlich kann man ja einfach neu starten, anders sieht es da allerdings im Herausforderungsmodus aus. In diesem Modus bekommt ihr eine bestimmte Auswahl an Welten vorgesetzt, welche man bestreiten muss. Wenn dann hier Level auftauchen die einfach zu viele unüberlegte Fallen (versteckte Fragezeichenbarrieren usw.) enthalten, ist das sehr Frustrierend und stört extrem den Spielfluss. Der Modi dürften den Käufern des Erstlings schon bekannt sein, doch es gibt noch mehr zum Spielen.

 

Von der Story zum Koop
Was damals noch in Super Mario Maker auf der Wii U fehlte war eine Geschichte bzw. ein Storymodus, diesen reicht Nintendo im zweiten Teil sogar nach. Klar, die Geschichte ist sehr dünn aber verpackt eure Aufgaben recht motivierend im Abenteuermodus.

Denn das Schloss von Prinzessin Peach wurde durch einen unglücklichen Zufall leider zerstört und nun liegt es an euch es wiederaufzubauen. Leider wird dafür nicht nur Zeit benötigt, sondern auch Geld. So besucht ihr nun verschiedene Level, während die Toads das eingesammelte Geld nutzen, um das Schloss wiederaufzubauen. Auf diese Weise absolviert ihr 100 Missionen in völlig unterschiedlichen Variationen und Schwierigkeitsgraden, für Abwechslung ist hier gesorgt.

Aber auch online gibt es noch, neben dem Herausforderungsmodus, weitere Level entdecken. Ihr könnt diesmal besser Level Filtern und so eher auf interessante Kreationen stoßen, auch wenn die Suche immer noch nicht wirklich perfekt ist. Zu dem könnt ihr auch zu viert in den Ring steigen, dabei habt ihr die Wahl aus einem lokalen und einem reinen Onlinespiel. Nun dürft ihr noch wählen ob ihr die Level gegeneinander absolviert oder euch lieber Kooperativ in den Kampf begebt. Ähnlich wie schon in Mario Kart, wird eure Freundschaft hier auch hier auf eine harte Probe gestellt. Leider lief zum Zeitpunkt unseres Reviews der Onlinemodus immer noch nicht wirklich rund, mal lief es nämlich recht flüssig aber auch viel zu oft kam es zu starken Lags. Das wäre hab so schlimm, wenn man das Spiel online spielen könnte ohne eine Onlinemitgliedschaft, dem ist aber nicht so. Daher hoffen wir mal stark, dass Nintendo am Onlinenetzwerk noch reichlich was tut, es ist nämlich nicht das erste Spiel mit solchen Problemen. Am Rande möchte ich noch erwähnen, dass man auch Kooperativ an einem Level bauen kann.

 

Sammelkram und weniger Steuerluxus
Beim Bau von Leveln und dem Bereitstellen dieser, begehen unter Umständen viele Menschen auf der Welt euere Welt. Dafür und für die vergebenen Herzen der Spieler bekommt ihr sogenannte Baumeister-Punkte. Je mehr Punkte ihr sammelt, um so mehr Sammelkram bekommt ihr, das sind zumeist Kleidungsstücke für euren Baumeisteravatar und so eher Nebensache aber durchaus nett anzusehen. Versteckte Items oder Funktionen gibt es (noch) wenige und auch eine Amiibo- Unterstützung gibt es nicht. Erinnern wir uns an den Erstling, konnte man mit einigen Figuren besondere Pilze oder Figuren (als Gastfigur) freischalten.

Zu dem fehlt noch etwas, nämlich der Luxus eines zweiten Screens. Denn in dem Vorgänger und dem Tablet der Wii U, konnte man auf dem TV Bildschirm sein Level beim Bau bewundern, während man auf dem Touchscreen alles auswählte. Leider ist das auf der Switch nicht mehr der Fall. Steckt ihr die Konsole in den Dock, müsst ihr euch mit dem Controller durch Menüs und Untermenüs quälen. Nach einer gewissen Zeit geht das sogar recht gut, mutet allerdings trotzdem etwas hakelig an. Nehmt ihr die Switch in die Hand, könnt ihr mit dem Finger oder einem extra Stift für Touchscreens eure Level kreieren. Doch an die Steuerung der Wii U kommt dieser Kompromiss nicht heran, trotzdem stellt es für mich die bessere Wahl dar. Sonst bekommt man optisch und auch klanglich die gewohnten Mario-Themen und darf wieder extra Soundeffekte und Melodien in die eigenen Welten integrieren. Zusätzlich bekommen die Spieler in einigen Welten auch neue Musikstücke von Koji Kondo serviert.

Fazit
Super Mario Maker 2 ist tatsächlich mehr als nur eine versteckte Portierung, denn er macht einen ordentlichen Schritt nach vorne und ist in Sachen Kreativität seinem Vorgänger weit überlegen. Das liegt tatsächlich daran, weil er einfach noch mal mehr Gestaltungsmöglichkeiten gibt und man seiner Kreativität absolut freien Lauf lassen kann. Auch die Story- Komponente weiß zu gefallen und beschäftig den Spieler eine ganze Weile. Doch wo Licht ist, ist leider auch Schatten, denn die Konsolen abhängige Steuerung ist nicht 100 prozentig perfekt, die Suche nach Leveln in der Community ist noch immer suboptimal und der Onlinemodus hat einfach zu viele Lags. Trotzdem bleibt der zweite Teil dem Erstling noch immer überlegen, nur die vollkommene Trennung zwischen dem 3D Wörld Thema und den restlichen vier Themen ist leider schmerzlich und schränkt die Kreativität ein wenig ein.

Alles kreativen Köpfen da draußen, möchte ich den Super Mario Maker 2 einfach ans Herz legen, denn es gibt nur wenig Vergleichbares und Einfacheres als eben diesen Editor. Denn trotz der oben genannten Mängel ist er intuitiv, wer sich etwas einarbeitet und das passiert recht schnell, wird seinen Spaß auf jeden Fall haben. Einen Stift für kapazitive Touchscreens würde ich euch auf jeden Fall empfehlen.

eines unserer Level

wir danken Nintendo für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares

 

  • Genre: Jump ’n‘ run/Leveldesigner
  • Entstehungsjahr: 2019
  • Plattform: Switch
  • Hersteller: Nintendo
  • Publisher: Nintendo

zum Spiel

  • Sprachen: –
  • Untertitel: deutsch
  • Spieler: 1- 2

Super Mario Maker 2

8.9

Gesamtwertung

8.9/10

Pro

  • sehr viele Ideen umsetzbar
  • umfangreicher als der Erstling
  • fünf Mario Themen
  • Story Mode
  • neue Musik von Koji Kondo

Kontra

  • nur vier Themen untereinander kompatibel
  • nicht grenzenlos
  • online viele Lags

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Written by 

Fan von Anime/Manga wie Bubblegum Crisis, Armitage III, Gunsmith Cats, Heimliche Blicke, Ranma 1/2 und liebt Filme wie Ghostbusters, Marvel, DC. Spielt allerdings auch gerne Games wie Batman Arkham Reihe, Assassins Creed Origins, Carmageddon und vieles mehr Seit mehr als 17 Jahren Admin von Anime Illusion und immer noch mit Spaß an der Sache.

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