The Kingdom of Dreams and Madness

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Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt wie viel Arbeit in einem Anime so steckt. Wie viele Stunden liebevollster Zeichnungen, Dialoge und Geschichten. Wie viele Ideen zusammen treffen, damit die von uns so geliebten Filme entstehen. Das Studio Ghibli gibt uns einen Einblick in das kreative, aufregende und vor allem zeitaufwendige Entstehen eines Movies.
Alles findet seinen Anfang im Jahre 1984 Toshio Suzuki arbeitet damals beim „Tokuma Shoten“ Verlag, seine scheinbar unlösbare Aufgabe, eine Anime Zeitschrift in nur 3 Wochen zusammen zu stellen. Suzuki hatte sich bis zu diesem Tag noch nicht wirklich mit dem Thema Anime auseinander gesetzt, wie sollte gerade er einen solche Zeitschrift auf die Beine stellen? Aber manchmal ist gerade dies ein Wink des Schicksals, Suzuki stieß auf den noch unbekannten Hayao Miyazaki, welcher gerade an einer „mirai shonen conan“ Reihe arbeitete. Kurz nach ihren zusammentreffen feierte Miyazaki sein Regisseur Debüt mit „Das Schloss des Cagliostro“. Suzuki schien von Miyazaki angetan und beauftragte ihn mit einer Mangareihe, welche später verfilmt wurde „Nausicaä aus dem Tal der Winde“. Dieser Film war in den japanischen Kinos so erfolgreich, dass der Verlag beschloss das Studio Ghibli zu gründen. Es war gerade ein Jahr vergangen, seitdem diese beiden Männer aufeinander getroffen waren, da war noch nicht abzusehen, was für Erfolge das Studio noch feiern würde.
Hayao Miyazaki hat neben dem zeichnen auch noch andere Interessen, die Luftfahrt ist eine Leidenschaft von ihm, vielleicht spielen deswegen die Lüfte immer wieder eine große Rollen in seinen Filmen. Der Name Ghibli soll übrigens frei übersetzt soviel wie heißer Wüstenwind bedeuten, eine kleine Anspielung von Miyazaki darauf, dass er frischen Wind ins Anime Geschäft bringen wollte.
Nach der Gründung wollte man nun schnellstens einen ebenso großen Erfolg feiern, wie mit „Nausicaä“, der erste Anime in Spielfilmlänge war 1986 „Das Schloss im Himmel“, ein wunderschöner Anime, welcher auch sehr erfolgreich den Weg für das Studio Ghibli in das Filmgeschäft ebnete. Mit dem Erfolg kam auch etwas Geld in die Kassen und so konnten weiter Produktionen anlaufen. Es folgten „Mein Nachbar Totoro“ und „Die letzten Glühwürmchen“ in beide Produktionen wurde sehr viel Herzblut und Hoffnung gesetzt. Zwar konnten die hohen Erwartungen des Studios nicht ganz erfüllt werden, aber etwas anderes passierte. Die Kritiker lobten die Filme und so wurde das Studio bekannter und beliebter, es folgten Auszeichnungen und die Merchandisewelle begann zu rollen. Bis heute verkaufen sich beispielsweise zu „Totoro“ sehr gut und das Titellied des Filmes ist eines der bekanntesten in ganz Japan.

Aber man braucht auch einen finanziellen Erfolg an den Kinokassen und dieser kam 1989 mit „Kikis kleiner Lieferservice“. Jetzt erst kündigte Suzuki beim „Tokuma Shoten“ Verlag und ging ganz zum Studio Ghibli. Und er sollte damit den richtigen Schritt gemacht haben, denn der nächste Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, mit „Tränen der Erinnerungen – Only yesterday“ konnte man ein Jahr später an die Erfolge anknüpfen.
Seit der Gründung waren gerade einmal ein paar Jahre vergangen und das Studio wuchs und wuchs, für die vielen Mitarbeiten wurde es langsam zu klein, deswegen begann man 1992 mit dem Bau eines größeren Gebäudes. Ein Erfolg jagt den nächsten, es war als hätte dieses Studio immer die richtige Idee zur richtigen Zeit. Es folgen Auszeichnungen und Ehrungen, auch finanzielle Erfolge für das Studio. Immer mehr Mitarbeiter werden benötigt und bringen Ideen mit.
Einer der wichtigsten Menschen in der Maschinerie von Ghibli ist zweifelsohne Miyazaki, ohne seine Ideen und Zeichnungen, seiner Hingabe und Leidenschaft wäre das Studio nie das geworden was es heute ist. Jeden Morgen ganz pünktlich um 11 Uhr beginnt Miyazaki seinen Arbeitstag und auch genauso ist jeden Abend um 20 Uhr Schluss, da wird der Stift aus der Hand gelegt und es wird Zeit für Familie und Freunde. Seit 1965 ist er mit der Animatorin Akemi Ota verheiratet und beide haben zwei Söhne, auch hier ist seine Person gefragt.
Die Dokumentation gibt einen Einblick in sein persönliches Denken, seine Ansichten und so manch kleine Anekdote wie er zu den Ideen für die Filme gekommen ist. Seine Person im Studio zu sehen ist für einige Mitarbeiter immer ein kleiner Zwiespalt, auf der einen Seite die höchste Hochachtung für seine unglaublichen Leistungen, auf der anderen Seite kann er auch ein sehr einnehmender Mann sein, welcher seinen Mitarbeitern das Leben auch sehr schwer machen kann. Es gehört eben mehr dazu als nur gut zeichnen zu können, kreative Ideen, die Umsetzung und auch die Verteidigung seiner Arbeit auch vor so großen Persönlichkeiten ist schon ein muss, wenn man hier nicht untergehen will. Miyazaki sagt selbst er schreibe keine Drehbücher, er entwerfe das Storyboard. Die Dreharbeiten für einen Film beginnen meist schon Beendigung seiner Arbeit und so scheint sich die Geschichte selbst im Laufe der Zeit zu entwickeln. Niemand weiß also wie der Film enden wird, vielleicht ein Grund warum das Studio so große Erfolge zu verzeichnen hat.
Eine die Miyazakis Vertrauen genießt ist Fr. Sankichi, sie ist neben ihm für die Produktion zuständig und kümmert sich um alle wichtigen Termine, sie ist wo was wie seine rechte Hand. Miyazaki schätzt und bewundert ihr besonderes Talent, sie hat ein Auge für Zeichnungen und Farben und verfolgt genauso wie er jedes Projekt mit Herzblut.
Es sind auch die angenehmen Stunden die uns gezeigt werden, die Pausen auf dem Dach, von wo man über die Dächer der anderen Häuser schauen kann. Bewundernswerte Blicke über die ganze Farbpalette des Himmels werfen kann, und auch hier ruht die Arbeit nicht ganz. Ein paar Schnappschüsse des Himmels in verschieden Winkeln und Farben und der vorbeiziehenden Wolken, sowas kann man immer gut als Vorlage für die nächsten Zeichnungen gebrauchen.

Manchmal hat man das Gefühl es handelt sich hier um eine große Familie, die jüngeren in der Firma schauen sich viel von den alten Hasen ab und bewundern diese, die Älteren geben ihr Wissen weiter und so manches mal kommt es zu kleinen Konflikten, welche aber schnell wieder beigelegt werden, schließlich steht das Projekt im Vordergrund. Studiokatze „Ushiko“ lebt schon lange in den Studioräumen, sie verbringt ihre Zeit mit gemütlichem schlafen in der Sonne auf dem Dach, stromert durch die Räume und an den Arbeitsplätzen vorbei, Miyazakis Bereich scheint sie trotzdem zu meiden, vielleicht will sie den Meister nicht stören. Aber man kann ja auch alles aus einer sicheren Entfernung beobachten.
Zwischen dem ganzen Zeichnen, Meetings und Produktionen steht für alle auch immer wieder ein bisschen Gymnastik auf dem Plan, Schließich soll ja keiner auf seinem Stuhl einrosten. Das scheint die Stimmung auch immer etwas zu entspannen, denn auch wenn man vielleicht die Übungen nicht so perfekt nachmacht, Hauptsache Bewegung und etwas lachen dabei.
Aber leider geht es wie in jedem anderen Unternehmen natürlich auch um Gewinne, schließlich müssen eine Menge Gehälter bezahlt werden. Hierzu gibt es immer wieder Meetings an denen alle wichtigen Leute teilnehmen. Hr. Toshio Suzuki (Produzent) und Hr. Nonaka (kümmert sich um die Rechtsfragen, sowie Hr. Miyazaki sind genauso anwesend wie Hr. Takahata, alle sind feste und wichtige Größen im Studio Ghibli.
Aber leider muss alles auch mal ein Ende haben und auch so ein talentierter Zeichner und fantasievoller Geschichtenerzähler möchte seinen Lebensabend im Kreise seiner Liebsten verbringen, welche viele Stunden auf ihn in all den Jahren verzichten mussten. 2013 verabschiedete sich Hayao Miyazaki in den Ruhestand, mit seinem letzten Werk „Wie der Wind sich hebt“. Ein schwerer Verlust für das ganze Studio. 2014 verließ auch Takahata das Studio. Die Gründer des Studio Ghibli setzten sich zur Ruhe. Als letzter Film erschien 2014 „Erinnerungen an Marnie“, wenig später verkündete Toshio Suzuki, dass das Unternehmen neustrukturiert werden soll und bis auf weiteres keine weiteren Filme mehr erscheinen. Ob und wann es einen neuen Film geben wird steht noch in den Sternen, vielleicht zieht sich das Unternehmen auch ganz aus dieser Sparte zurück.

Fazit
Die Dokumentation ist wirklich eine Bereicherung für alle Animefans die mehr als nur konsumieren wollen. Der Blick über die Schulter solch großer Männer, die Einblicke in den Studioalltag, die ganzen Mühen die auf sich genommen werden, um uns in den Genuss toller Anime Filmen gebenzu können, all dies kann man sich hier anschauen. Es ist mehr als nur eine einfache Dokumentation, es beschreibt ein Lebenswerk, die Gefühle und Gedanken, die Bedenken und Selbstzweifel der einzelnen Menschen die das Studio Ghibli groß gemacht haben. Ein absolutes Muss für jeden Anime Fan!

 

wir danken Universum Anime für das Rezensionsmaterial

 

  • Genre: Doku
  • Entstehungsjahr: 2014
  • Typ: Movie
  • Regie: Mami Sunada
  • Drehbuch: –

zur DVD/Blu Ray

  • Sprachen: japanisch DD 5.1/DTS HD 5.1
  • Untertitel: deutsch
  • Extras: Kurzfilm, Ushiko erkundet!

The Kingdom of Dreams and Madness

The Kingdom of Dreams and Madness
9

Gesamtwertung

9.0 /10

Pro

  • sehr interessante Dokumentation
  • erstaunlich viele Einblicke

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